Buck Rogers (1939)


Buck Rogers

Wir schreiben das Jahr 1938. Ein Luftschiff stürzt ab, an Bord der Kommandant Buck Rogers und sein junger Freund Buddy Wade. Mit Hilfe des Nirvano-Gases Überleben sie - 500 Jahre! Als sie schließlich gerettet werden, finden sie die Welt, wie sie sie kannten völlig verändert vor. Der schwarze Kane hat die Herrschaft über die Erde an sich gerissen, nur eine Handvoll Leute leistet ihm in der versteckten Stadt Widerstand, unter ihnen Dr. Huer und Wilma Deering. Und Buck und Buddy nun mit ihnen.

Eine typische alte schwarz/weiß-Serie, die auch eben diesen Charme versprüht: Raumschiffe, deren Antrieb mit Rasenmähergeräuschen Funken versprüht, die technischen Mittel, die einen heute schmunzeln lassen.

Die Serie basiert auf einer Science-Fiction-Erzählung von Philip Francis Nowlan, der auch das Manuskript für den "Buck Rogers"-Comic verfaßte, der schließlich ab dem 7. Januar 1929 als Tagesstrip in den Zeitungen erschien und weltweit als erster Science-Fiction-Comic gilt.

Die Kapitel der Serie:
01. Die Welt von morgen - (Tomorrow's world)
02. Tragüdie auf dem Saturn - (Tragedy on Saturn)
03. Das Bollwerk des Feindes - (The enemy's stronghold)
04. Die Himmelspatrouille - (The sky patrol)
05. Das Geisterflugzeug - (The phantom plane)
06. Das Unbekannte Kommando - (The unknown command)
07. Die Uralte Sehnsucht - (The primitive urge)
08. Revolte der Zuggs - (Revolt of the Zuggs)
09. Körper ohne Geist - (Bodies without minds)
10. Durchbrochene Barrieren - (Broken barriers)
11. Der Prinz in Ketten - (A prince in bondage)
12. Der Krieg der Planeten - (War of the planets)

Die Folgen beginnen mit einem fasznierenden schwarz/weiß-Kaleidoskop, und auch der Aufbau der Serie hat einen ganz eigenen Stil; ist es doch weniger eine Serie im klassischen Sinne mit 12 Folgen, sondern eher eine Handlung, die in 12 Kapitel unterteilt ist wie ein Buch. Es wirkt weniger wie eine Miniserie, als mehr wie ein Film, der in zwölf Teile geteilt wurde, und insgesamt nicht einmal 4 Stunden umfassen dürfte, denn jede Folge - oder jedes Kapitel - ist ca. 20 Minuten lang, und endet wie eine Cliffhanger-Folge mit einem Open End; die nächste Folge beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung der letzten in Form eines Textes, der in bester Star Wars-Manier über den Bildschirm gleitet (hat George Lucas zufällig die Serie gesehen, bevor er Star Wars produzierte??) und wiederholt die letzte Szene, um sich wieder einfinden zu können. Theoretisch müßte man also die ganzen Kapitel zu einem Film zusammenschneiden können, der dann nicht ganz vier Stunden umfassen würde.
Übrigens: Nur bei einem Übergang hat es nicht schlüssig geklappt; da endet die vorige Folge anders, als die nächste anfängt! ;-)

Die Handlung ist denkbar einfach: Buck und Buddy werden um sich vor Gefahr zu schützen kurzfristig eingefroren, doch anstatt von ihren eigenen Leuten nach kurzer Zeit gerettet zu werden, werden sie erst 500 Jahre später von der jetzt dort lebenden Generation gefunden und wieder in's Leben gerufen. Folgendes offenbart sich unseren wieder aufgetauten Freunden: Die Bewohner der versteckten Stadt leisten Widerstand gegen den Herrscher Kane, einem Relikt aus dem organisierten Verbrechen des 20. Jahrhunderts (was Buck gleich brühwarm aufgetischt bekommt). Buck und Buddy schließen sich dem Widerstand an und unterstützen die Handvoll Leute bei ihrem Kampf gegen Kane.
Da sie allein kaum Aussicht auf Erfolg haben, suchen sie Unterstützung bei der Bev?lkerung des Saturns, was sich denkbar schwierig gestaltet, da Kane und seine Leute ständig dazwischen pfuschen. Dennoch gelingt es Buck, Prinz Tallen davon zu überzeugen, daß nicht die Rebellen die büsen sind, sondern Kane und seine Herrschaft. Mit ihrem neuen Verbündeten, der Sprachrohr für den Rat des Saturns ist, müssen sie sich nun weiter gegen Kane und seine Mannen behaupten.

Wie in vielen Serien oder Filmen aus der alten Zeit merkt man auch hier die Mühe, die sich die Produzenten gegeben haben, mit einfachsten Mitteln eine spannende Serie zu gestalten. Sicher, so merkt man, war dies nicht sehr einfach; so mutet es schon ein wenig komisch an, wenn die raketengetriebenen Raumschiffe mit funkenversprühendem Heck und einer Lautstärke eines Rasenmähers am Sonntagnachmittag durch das Weltall düsen und so anmuten, als würden sie jeden Moment explodieren, und dann plump wie ein Stein auf dem Boden landen, oder die Fluggürtel, mit denen man aus großer H?he abspringen und sicher auf dem Boden landen kann - man sieht die versteckten Gurte nicht, an denen die Schauspieler hängen, aber man weiß, sie sind da. ;-) Aber gerade das macht den Charme der Serie aus und zollt Respekt, denn mit den wenigen Mitteln ist es doch gelungen, eine faszinierende Story umzusetzen. Und auch wenn die Serie natürlich nicht mit der heutigen Technik und den Special-Effekts vergleichbar ist, wurde doch Großartiges geleistet, wenn man bedenkt, daß aus "Nichts" "Alles" gemacht wurde.

Sicher ist eine Serie aus dieser Zeit nicht mit einer moderneren zu vergleichen, die nicht nur wesentlich bessere Technik, Ausstattung und auch finanzielle Mittel zu Verfügung hatte, sondern auch in Zeiten spielt, in der sich die Gesellschaft bereits geändert und weiterentwickelt hat. Und dennoch gibt es genug Momente, die einem "Aha-Erlebnis" gleichen: Wir rufen uns in Erinnerung, die Serie wurde produziert im Jahre 1939/1940!
- Eine tragende Rolle spielt eine Frau: Wilma Deering. Sie ist keineswegs das Prestige-Püppchen oder die kaffeekochende Sekräterin, sondern hat eine gehobene Stellung, leitet eine Flugstaffel, und sie ist es auch, die Buck auf dem ersten Flug begleitet. (Und sie ist auch nicht die Frau, die beim ersten Anblick schmachtend in seine Arme sinkt! Das finde ich sehr angenehm, womit ich nicht meine, daß nicht eine gewisse Grundsympathie zwischen beiden vorhanden ist.)
- Das Beamen, erst seit Star Trek? Nein! Das gab es schon in Buck Rogers! Wie lautete die Erklärung? "Durch Radioaktivität werden die Atome des K?rpers in ihre Einzelteile zerlegt und durch umgekehrte Polarität am Ziel wieder zusammengesetzt." Hmm? Hat Gene Roddenberry hier geklaut? Oder hat er das Beamen neu erfunden?

Aber nichtsdestotrotz, auch mit dem alten Charme und den überraschenden Elementen; ein wenig Zweifel bleibt, und so gibt es auch Szenen oder Ereignisse, die zum Schmunzeln anregen, allerdings auf eher ungläubige, sp?ttische Art.
- Buck und Wilma duzen sich also. Bereits seit dem ersten Augenblick, den sie sich kennen? So mutet es zumindest an, wenn man die erste Folge sieht. Es herrscht sogleich eine Vertrautheit, die man sonst eigentlich nur findet, wenn man jemanden bereits näher kennt; und so viel Zeit hatten sie eigentlich nicht. Vielleicht fehlt auch nur die Szene, in der das Thema zur Sprache kommt. So sieht es jedoch ein wenig unglaubwürdig aus.
- A pro pos Unglaubwürdig: Buck kommt nun aus dem 20. in's 25. Jahrhundert. Und was passiert? Er rettet die Welt mit seinen tollen Vorschlägen (wir reden hier z. B. von einem Flug zum Saturn in der ersten Folge!) und übernimmt natürlich auch prompt nicht nur die Führung, sondern auch die Steuerung des Raumschiffes! Ja, sicher, schließlich kennt er Raumflüge zu anderen Planeten noch aus seiner Zeit 1938! (Warum nur hat er vorher so verdutzt getan, als es hieß, es bestünde die M?glichkeit, andere Planeten zu kontakten?) Insgesamt kommt Buck sehr selbstsicher rüber und scheint bestens vertraut mit den Gegebenheiten des 25. Jahrhunderts. Und natürlich wird keine Gelegenheit ausgelassen, ihn mit Ehrungen zu überhäufen. Da stellt man sich doch irgendwann die Frage: Wie kam das 25. Jahrhundert ohne Buck Rogers aus?? Hier hätte man durchaus ein wenig mehr Realitätssinn einfließen lassen k?nnen. Denn so, wie die Geschichte aufgebaut ist, ist es v?llig witzlos, Buck Rogers erst einzufrieren, um ihn später wieder aufzutauen, da dieser Aspekt überhaupt nicht in die weitere Serie eingebracht wurde; sinniger wäre es gewesen, ihn gleich zu einem Angehürigen der Generation des 25. Jahrhunderts zu machen, der sich durch seine guten Ideen eine gute Stellung bei den Rebellen erarbeitet. Glaubwürdiger wäre es dann allemal gewesen, und hätte die Handlung der Serie sogar schlüssig erscheinen lassen.
- Die Leute von Kane müssen schon ziemlich dumm sein, wenn sie sich so leicht überwältigen lassen k?nnen. Das alte Spiel, Gut gegen B?se? Aber nicht nur in dieser Konstellation fragt man sich bisweilen, was die Leute da machen? In einem Krieg sollte man annehmen, daß die Beteiligten nicht träumend in der Gegend herumstehen, aber so träge, wie bisweilen sowohl Kanes als auch Huers Männer reagieren, wird auch dem letzten Zuschauer bewußt, welche Seite gerade nach Ansicht der Autoren und Produzenten zu gewinnen hat. Ein wenig zu offensichtlich. Na gut, sprachen wir gerade vom Charme alter serien??

So gibt es in der Serie einige sehr sch?ne, aber auch einige sehr fragwürdige Aspekte, die sich dort vereinen und die Serie zu einem faszinierenden Gemisch aus Weltraumheld, moderner Gesellschaft und neuer Technik machen. Dennoch, die Charaktere sind sympathisch umgesetzt, das kann man nicht anders sagen. Und es gibt auch so manchen Aspekt, der mich pers?nlich unheimlich fasziniert:
- Die Glasbahn auf dem Saturn, die in's Innere des Planeten führt, finde ich unheimlich beeindruckend. Kleine modische Waggons, wie man sie aus Zügen in Freizeitparks kennt, die in gewissen Abständen im Inneren der Berge entlangfahren, um die Zielorte zuerreichen; eine fasziniernde Infrastruktur. Um in den Wagen zu gelangen, muß man eine Schiebetür nach oben schieben, und kann dann noch eine Trittfläche ausklappen; die meiner Ansicht nach aber auch locker übersteigen werden k?nnte. Trotzdem wird beides immer sehr gewissenhaft benutzt - auch in h?chster Gefahr!, außer in Kapitel 11. - Lachen mußte ich jedoch, als Buck mit einem dieser Wagen flieht, und um ihn zu stoppen einfach der Strom abgestellt wurde. Prinz Tallen will ihn nun also verfolgen, und auf die Frage, wie er das ohne Strom machen will, stellt er fest: Dies ist mein Privatwagen! Der hat ein unabhängiges Aggregat! ;-) Das ist auch ein lustiger Aspekt der Serie: Es gibt für alles eine Erklärung.
- Die Raumschiffe: Okay, sehen wir mal davon ab, daß sie ruckeln wie an Fäden gelenkt, einen Heidenlärm machen (heute morgen fiel mir auf, daß unsere Energiesparlampe im Bad genau das gleiche Geräusch macht, nur etwas leiser ;-), mit Funken nur so um sich sprühen und beim Landen bisweilen eine Gehirnerschütterung produzieren müssen: Sieht man sich solch ein gelandetes Raumschiff allerdings mal näher an, so muß man doch sagen, daß es schicke, elegante Transportmittel sind. - Im übrigen muß ich gestehen, daß ich rein optisch bis zum Schluß nicht Kanes von Huers Schiffen unterscheiden konnte.
- Prinz Tallen finde ich äußerst faszinierend! Nicht nur, daß er eine ungeheure Ausstrahlung hat, die Autorität, Intelligenz und auch Sympathie und Freundschaft miteinander vereint, er ist Schlüsselfigur in der ganzen Serie, das Bindeglied zwischen der Erde und dem Saturn, wenn man so will. Und dieser Charakter wurde meiner Ansicht nach mustergültig umgesetzt.

Und wo wir schon bei der neuen Technik sind:
- Das Tele-Auge: Ein bildhübscher ovaler Monitor, mit dem man verschiedene Lokalitäten beobachten kann. Ich habe noch nicht ganz raus, nach welchem System es funktioniert.
- Die Fluggürtel - Wie nannte Buck sie? Eine Weiterentwicklung des Fallschirms. Sehr nützlich; ob ich zwingend damit springen würde? Nach einigem Üben vielleicht.
- Amnesia-Helme: Diese benutzt Kane, um aus seinen Gefangenen willenlose Roboter zu machen, die im Roboter-Bataillon enden. Manchmal sind es ?brigens auch die eigenen Leute. (Das war übrigens ein gutes Argument, um Prinz Tallen umzustimmen, den Unterstützungsvertrag mit Kane zu schließen, denn eine Schreckensherrschaft wollte der Saturn nun doch nicht unterstützen.

Ein Wort noch zum Ende: Ohne viel vorweg zu nehmen, aber doch m?chte ich das nicht unerwähnt lassen, da mir dieser Aspekt sehr gefallen hat. Die Zusammenarbeit zwischen Buck und Wilma! Im Vordergrund steht hier Professionalität, als schmückendes Beiwerk gibt es die Freundschaft zwischen beiden, und zwar in einer dezenten, realistischen angenehmen und notwendigen Dosierung. Was gänzlichst fehlt, ist das nur allzu oft so gerne verwendete Liebesgeplänkel, und dieses Fehlen finde ich sehr angenehm! Sicher ist dies auch ein Zeichen der Zeit, in der die Serie gedreht wurde; es hätte in dieser Form einfach nicht gepaßt. Davon k?nnten sich modernere Serien dieses Genres bisweilen eine Scheibe abschneiden. Und ganz zum Schluß; kriegen sie sich? Nun, das kommt nicht ganz raus, auch wenn man es vermuten k?nnte. ;-)
Alles in allem ist es doch ohne Zweifel eine liebevoll umgesetzte Serie, gerade die Beziehung zwischen Buck und Buddy, und auch das Zusammenspiel zwischen Buck und Wilma, ebenso wie den anderen Rebellen, sowie nicht zuletzt Prinz Tallen. Mit den wenigen Mitteln und einer interessanten Story ist es gelungen, eine wenn auch nostalgische, aber dennoch fasziniernde Serie zu entwickeln. Nur, muß man sich natürlich im technischen Nivau aufgrund der Zeit, in der sie produziert wurde, etwas herunterdenken; aber mit ein bißchen Phantasie dürfte dies nicht schwierig sein.

Naja. Später, in 1979 (und damit ja schon nach meiner Geburt) wurde die Serie neu aufgelegt, oder vermutlich besser ausgedrückt, es gab eine neue Buck-Rogers-Serie, die natürlich einen anderen Stil verfolgte, ihrer Zeit angemessen und mit ganz eigenem Flair; und die in einigen Punkten sicher realistischer umgesetzt wurde, auch wenn jede der Serien ihren eigenen Charme mitbringt. Aber dieses Feld überlasse ich jemand anderem zu berichten.

by Jenke Capari

Letzte Aktualisierung: 20.12.2009