Das Galaxy Dinner in der Presse

Erschienen: 02.2009

Spock, Pille und Picard vom Raumschiff Enterprise - was ist das Faszinierende daran? DEICHHELDEN hat für euch ein "Trek Dinner" besucht um herauszufinden, was es mit Star Trek und den Trekkies auf sich hat. Und warum Star Trek manchmal sogar ein Heiratsgrund ist.

"Trek Dinner" ist die Bezeichnung für Stammtische von Trekkies, also eingefleischten Star-Trek-Fans. Das im Bremer Raum aktive Galaxy Dinner existiert bereits seit 1999. Die Mitglieder der sich einmal im Monat treffenden Gruppe sind zwischen Anfang 20 und Ende 40. Neben ihrem Star-Trek-Stammtisch schauen sie auch zusammen die Serien und Filme, besuchen Fan Conventions und machen sogar gemeinsame Urlaube. Für sie bietet Star Trek vor allem die Möglichkeit, in eine faszinierende und komplexe, irgendwie fremde Welt abzutauchen.

Sven Preuß, KFZ-Mechaniker und Webmaster der Gruppe, ist vor allem von der Nachvollziehbarkeit der Serie begeistert. "Alles ist sehr plausibel dargestellt", findet er. Das gelte sowohl für die Geschichte als auch für die Technik des Star Trek Universums, "es wird geschaut, dass alles aufeinander aufbaut". Die in den 60er Jahren von Gene Roddenberry erdachte Serie hat es mittlerweile auf 726 Episoden und zehn Kinofilme gebracht.

In diesen hat sich nach und nach ein unglaublich komplexes Universum entfaltet. Von Anfang an wurde versucht, es möglichst in sich stimmig zu gestalten. Im technischen Bereich wurde versucht, Erfindungen wie den "Warp-Antrieb" auch wissenschaftlich zu erklären. Die Star- Trek-Technologie besitzt eine so große Anziehungskraft, dass 1995 der Physiker Lawrence M. Krauss in seinem Buch "Die Physik von Star Trek" versuchte, sie nach heutigem wissenschaftlichem Stand zu erklären.

Auch Heiko Huhne ist von der Technologie fasziniert. "Teilweise wurde sie sogar von NASA - Wissenschaftlern durchgespielt," berichtet er. Er ist der Bastler der Gruppe, baut unter anderem Star-Trek-Computerarmaturen nach. Seine Vorlagen dafür findet er in Fanzeitschriften wie "Star Trek - Fakten und Infos". Kurioserweise gibt es eine weitere Verbindung zwischen NASA und Star Trek: 1976 benannte die NASA nach knapp 400.000 brieflichen Fanbitten ein Space Shuttle mit dem Namen "Enterprise".

Für Anja Preuß-Piecker, Verwaltungsfachangestellte, steht mehr freilich erfundene Philosophie im Vordergrund. Es herrsche Weltfrieden, Geld sei abgeschafft und fremde Planeten würden friedlich und zu Forschungszwecken bereist, erzählt sie. Gene Roddenberry, ein Anhänger des Egalitarismus - einer politischen Position, die versucht, gesellschaftliche Mißstände durch Herstellung von Gleichheit zu bekämpfen - brachte viele fortschrittliche Elemente in die Serie ein. So fand zum Beispiel der erste amerikanische Fernsehkuss zwischen einem weißen (Captain Kirk) und einem schwarzen Charakter (Lt. Uhura) in einer Star-Trek- Folge statt - welche umgehend in mehreren Staaten verboten wurde.

Zu Star Trek sei sie gekommen "wie die Jungfrau zum Kinde" erzählt Anja Preuß-Piecker weiter. Ihre Mutter schaute die Serie immer beim Mittagesen - und da hieß es für sie "mitschauen oder verhungern". Nach und nach fand sie immer mehr über die komplexen Zusammenhänge der Serie heraus und wurde zum eingefleischten Fan, mit allem drum und dran. Die Fülle an Angeboten für Fans ist lang.

Neben den Conventions, großen Star-Trek-Messen, bei denen sich unter anderem Schauspieler und Fans treffen und auf denen es häufig Merchandise-Artikel zu kaufen gibt, finden auch Star-Trek- Würfel- und Live-Rollenspiele statt. Bei denen werden in möglichst realistischer Umgebung und originalgetreuer Uniform Star-Trek-Abenteuer gespielt. Oft gibt es Planer, die die Rahmenbedingungen des Abenteuers organisieren, während das Live-Rollenspiel selbst eine Art kontinuierliche Improvisation der einzelnen Spieler ist. Rollenspiele interessieren die Galaxy-Dinner-Gruppe zwar eher weniger, eine Uniform besitzen sie dennoch alle, zum Teil sogar selbst geschneidert. Ein für Conventions unverzichtbares Accessoire und, überspitzt formuliert, manchmal sogar ein Heiratsgrund.

"Ich trug eine gelbe Uniform, er trug eine gelbe Uniform," erinnert sich Anja Preuß-Piecker an ihre erste Begegnung mit ihrem Mann Sven, "ich dachte mir, der Mann schläft sogar in Uniform." Damit hatte sie zwar Unrecht, aber der Begeisterung tat es keinen Abbruch. "Im Grunde genommen kann man sagen, Star Trek ist Schuld daran, dass ich verheiratet bin", sagt sie und lacht dabei. Auch in anderen Bereichen ihres Lebens ist Star Trek wichtig. Das fiktive Universum inspirierte sie zum Schreiben. Zunächst war es vor allem Fan-Fiction, eine sehr beliebte Form des Schreibens, bei der Trekkies häufig in Internetforen und abwechselnd die Geschichten ihrer Lieblingscharaktere weiterer entwickeln. Mit der Zeit entwickelte sie immer mehr eigene Gedanken und Ideen, Star Trek diente nur noch als grober Hintergrund und mittlerweile hat sie ihr erstes eigenes Buch ("Alltagsgeschichten und andere Abenteuer") fertig.

Von dieser Kraft, die fiktive Welt durch die Fans entwickeln zu lassen, lebt Star Trek. Neben technischen und historischen Ausarbeitungen, Untersuchungen über die verschiedenen vorkommenden Zivilisationen und Kulturen werden sogar eigene Sprachen entwickelt. Für Klingonisch gibt es eigene Schrift, Sprachinstitute - und ganze Shakespeare-Stücke wurden ins Klingonische übersetzt. Klingonisch ist mit einem eigenen Sprachcode bei der ISO, der Internationalen Organisation für Normung, eingetragen und damit als offizielle Sprache anerkannt. Die Deutsche Welle hat sogar eine entsprechene Webseite.

Auf die Frage, ob jemand in der Runde klingonisch könne, antwortet Sven Preuß mit einem lauten: "Heghlu'meH QaQ jajvam" - "Heute ist ein guter Tag zum Sterben!", eine klingonische Standardfloskel, die, ähnlich wie das lateinische "Memento Mori", an die eigene Sterblichkeit erinnert und fordert, den Tag für sich zu nutzen. In diesem Sinne: Heghlu'meH QaQ jajvam

Der Originalartikel von Herrn Piechura ist auf dem Web-Auftritt des Deichhelden zu finden.

Last Update: 26.02.2009