Seit
wir mittlerweile 5 Star-Trek-Serien haben, heißt "Raumschiff
Enterprise" nun "Star Trek - Die Classic-Serie". Doch wer glaubt, es
hat mit Kirk & Co. angefangen, der befindet sich im Irrtum!
Nicht
1966, sondern 1965 kam der erste Pilotfilm heraus, mit dem Titel "Der
Käfig". Der Captain hieß Christopher Pike, Die Nummer eins war weiblich
und die Story anspruchsvoll.
So
ungefähr hatte sich Gene Roddenberry das ganze vorgestellt.
Damals schon an Bord: Mr. Spock, seines Zeichens Vulkanier.
Doch
welch Frevel: Anspruchsvoll; dazu noch eine Frau in einer
Führungsposition! So sollte es bei dem Pilotfilm bleiben, wenn nicht
die ganze Geschichte überarbeitet würde.
Nunja; Roddenberry hat es überarbeitet. Das Resultat: Die Classic-Serie.
Geblieben
sind vom Käfig nur zwei: In seiner alten Rolle Leonard Nimoy alias Mr.
Spock (der jetzt etwas ‚harmloser' erscheint, weil die Produzenten
meinten, in "Der Käfig" würde er zu satanisch aussehen) und in einer
neuen Rolle Majel Barret, ehemals die Nummer eins, jetzt
Krankenschwester Christine Chapel (verliebt in Mr. Spock; welch ein
Zufall...)
Die Nummer eins heißt jetzt auch nicht mehr Nummer eins,
sondern Mr. Spock, erster und Wissenschaftsoffizier. Damit wäre Problem
eins aus der Welt geschafft: Keine Frau mehr in einer Führungsposition.
Bleibt
Problem Nummer zwei: Die Geschichten dürfen nicht so
anspruchsvoll sein... nunja, auch das läßt sich
bewerkstelligen!
Die
Classic-Serie, wie sie letztenendes produziert wurde, war eigentlich
nicht das, was Roddenberry haben wollte, doch nichtsdestotrotz war
Raumschiff Enterprise ein Durchbruch, auch wenn dies erst Jahre später
richtig zum Tragen kommen sollte.
Die Hauptpersonen der Classic-Serie lassen sich sehr schön in einer Hirarchie darstellen:
Ganz
oben steht das Dreier-Verhältnis zwischen Captain James Tiberius Kirk,
kühl, besonnen, arrogant, schlägt auch schon mal zu..., Mr. Spock, der
Halbvulkanier, der sich der Logik und absoluten Emotionslosigkeit
verschrieben hat und Doktor Leonard McCoy, der temperamentvolle Arzt.
Kirk bildet hier den Ruhepol für die Haß-Liebe zwischen Spock und McCoy.
Dann
folgt der Rest der Brücken-Crew, der Asiate Sulu, der Russe Chekov, die
Suaheli Uhura (es ist kaum zu fassen, eine schwarze Frau auf der
Brücke, die dazu noch den einen oder anderen anspruchsvollen Text hat)
und der Schotte Scotty (der eine innige Beziehung zur Enterprise
aufgebaut hat).
Den Abschluß bilden weniger berücksichtige, doch
sehr interessante Charaktere, wie die oben schon erwähnte Schwester
Chapel, Yeoman Janice Rand, Riley und diverse Crew-Mitglieder in roter
Uniform (es sind auch mal welche in gelber Uniform gestorben!).
Die
Classic-Serie wird gerne irgendwelchen Klischees unterworfen, die zum
Teil stimmen, zum Teil auch nicht. Hier werden erstmal einige
aufgeführt:
1. In jeder Folge stirbt mindestens ein Crew-Mitglied in
roter Uniform (Was den Anschein erweckt, daß man, bevor die Folge zu
Ende ist, sagen kann, wer sie überlebt und wer nicht).
2. Es dreht sich nur um Kirk, Spock und McCoy.
3. In jeder Folge sagt Spock "Fasinierend!"
4. In jeder Folge fängt McCoy einen Satz mit "Ich bin Arzt und kein..." an.
5. In jeder Folge sagt McCoy "Er ist tot, Jim!"
Fangen
wir mit dem ersten Klischee an: die roten Uniformen. Das ist nur
bedingt richtig. Es sterben durchaus auch Crew-Mitglieder in gelben
Uniformen, in einer Folge stirbt sogar Captain Kirk (wahscheinlich war
er der einzige, den McCoy jemals retten konnte), und es gibt auch
Folgen, wo gar keiner stirbt.
Das zweite Klischee: Dem ist nicht so!
Nach knapp achzig Folgen Classic Trek kann ich sagen, es werden mehr
Charaktere von der Enterprise behandelt, als es sich ein
Otto-Normal-Klingone vorstellen kann!
Die dritte Aussage:
Faszinierend! Nun, es schein eines der Lieblingsworte von Mr. Spock zu
sein, weil es so schön nichts sagend ist. Dementsprechend häufig
benutzt er es auch. Er ist aber nicht der Typ, der sich wiederholt;
Zitat: "Erstaunlich! Ich wiederhole mich nur ungerne, sonst würde ich
sagen ‚Faszinierend'!"
Nummer vier: Es gibt so einiges, was McCoy
nicht ist, und viele dieser Möglichkeiten läßt er uns in der Serie
wissen. Aber durchaus nicht in jeder Folge.
Nummer
fünf: Es gibt durchaus Variationen: "Er ist tot!" - "Sie ist
tot!" - "Sie ist tot, Jim!" - "Dieser Mann lebt nicht mehr!"
Nicht jede Folge ist anspruchslos! Es wäre auch sehr bedenklich, bei 79 Folgen. Mein Favorit ist ganz eindeutig "Der Obelisk", was nichts damit zu tun hat, daß Captain Kirk sein Geächtnis verliert. Naja, vielleicht ein kleines bißchen... Schließlich macht das den Charakter dieser Folge aus. Diese Folge ist sehr schön dargestellt, wenngleich die Diskussion zwischen Spock und McCoy mal wieder unnötig gewesen wäre. Dafür kann man Chefingenieur Montgomery Scott in heller Verzweiflung sehen, als Spock nach Kirks Verschwinden das Kommando übernimmt. Diese Folge würde ich mit einem ‚sehr gut' bezeichnen!
Anders sieht es aus mit den "Geisterfolgen". Es gibt mindestens zehn verschiedene Folgen, in denen Geister, Götter oder andere allmächtige Wesen auftauchen, gegen die die Enterprise-Crew machtlos ist und letztenendes doch gewinnt. Mal ist das ja ganz schön, aber ein Achtel der Gesamtzahl an Folgen?
Zu erwähnen wäre da noch die Folge, die in Deutschland nicht ausgestrahlt wurde: "Schablonen der Gewalt". Kirk und Co. treffen auf einen Planeten, auf dem sich ein Nazi-Staat entwickelt hat. Bezeichnend ist, daß diese Folge nachträglich synchronisiert und als Video erhältlich ist. Die Synchronsprecher sind die selben, nur die Stimmen sind deutlich älter geworden.
Nichelle
Nichols ist die Darstellerin des Kommunikations-offiziers Nyota Uhura.
Sie ist eine Frau, sie ist schwarz und sie ist auf der Brücke! Und das
in den 60er Jahren! Sie ebnete den Weg für schwarze Schauspieler wie z.
B. Whoopi Goldberg. (Zitat von Whoopi als Kind, als sie Raumschiff
Enterprise sieht: "Schau mal, Mama, eine Schwarze im Fernsehen, und sie
ist kein Dienstmädchen!") Eigentlich hatte Nichelle aus Star Trek
aussteigen wollen, doch dann traf sie auf Martin Luther King. Er
erklärte ihr, wie wichtig ihre Rolle für die Schwarzen sei. Nichelle
blieb!
Star Trek ohne Lieutenant Uhura wäre einfach undenkbar!
Da gibt es die roten, die blauen, und die gelben.
Gelb steht für Kommando,
Rot steht für Sicherheit und Technik,
Blau steht für Wissenschaft und Medizin.
Und
dann gibt es da noch Kirks Freizeit-Tarzan-Uniform, ein grünes Hemd,
das aussieht, als würde man es sich um den Körper wickeln.
Haben
Sie schon mal auf die Nits (Fehler) in Star Trek geachtet? Kirk steigt
mit der gelben Kommando-Uniform in den Turbolift ein, auf der Brücke
tritt er mit der Freizeit-Tarzan-Uniform wieder heraus. Hat er sich im
Turbolift umgezogen? (Aus "Der Fall Charlie")
Das ist nur einer von vielen Nits. Die Reihe wird fortgesetzt.
Schon
in der Classic-Serie kommen sie vor: Die Klingonen. Damals noch
verschlagen, hinterrücks und unehrenvoll, machen sie der Crew der
Enterprise das Leben schwer. Auch die Stirn fehlt noch. Da die
Klingonen bei den Fans sehr beliebt waren, wurden sie kurzerhand mit in
die neuen Serien übernommen, jetzt in völlig neuem Design: Ehrenvoll,
und mit Knitterstirn.
Ob dieser Wandel so gut überlegt war? Wie
erklärt sich diese plötzliche Veränderung im Star Trek-Universum?
Dieses ist eines der Themen, wozu es in unserem Forum schon die eine oder andere interessante Spekulation gibt; weitere Beiträge würden uns freuen.
Dies soll nur ein Anfang sein.
Demnächst wird es auch hier mehr zu lesen geben. Bis dahin: